ES BEGANN MIT EINEM LIED

Alfonsina Storni 2009-2024

Von Hildegard E. Keller

AUF ENGLISCH

Alfonsina y el mar

Das Lied Alfonsina y el mar machte den Namen Alfonsina weltbekannt. Wer aber ist Alfonsina? Das Lied bezieht sich eine historische Persönlichkeit, die ein grosses schriftstellerisches Werk hinterlassen hat, doch genau das blieb ebenso im Dunkel wie das Leben der Alfonsina Storni. Ich habe sie fünfzehn Jahre lang ans Licht geholt, in Übersetzungen, Audiomedien und Performances. Mein Ziel war stets, ihre Biografie zu schreiben. Vom Leben und Weiterleben der Alfonsina Storni ist im Oktober 2024 in den zwei Bänden Wach und Frei erschienen. Das letzte Kapitel beschreibt auch die Wegstationen, die ich in dieser Story illustriere. Ein Leseprobe aus dem Kapitel findet sich hier, zur Biografie hier und weiter unten.

Rosalía

Die spanische Sängerin und Performerin interpretiert es in Buenos Aires neu.

Mercedes

Die erste und berühmteste Interpretin des Liedes ist Mercedes Sosa. Seit 1969 gehörte es zu ihrem Konzertprogramm, wie es dazu kam, erzähle ich in der Biografie (Frei, Kap. 12)

Pelageya

The Voice of Russia 2018: Nach dem Lied erzählt Pelageya der Jury, dass sie «wie eine Wurst» gezittert habe.

Ich danke Elijah Tarantul für die Übersetzung.

Radiofeature

2008

Ich war auf dem Sprung in die USA und packte die Gedichtanthologien von Alfonsina Storni, die ich im Laufe der Jahre in Spanien gekauft hatte, in den Umzugscontainer. Ich wusste, dass ich mich vertieft mit Alfonsina Stornis Werk beschäftigen würde, aber nicht, wie und in welchem Medium. Zuerst wollte ich forschen und ihr Land kennenlernen. Selbstverständlich ahnte ich damals nicht, dass dieses Abenteuer bis 2024 dauern würde.

Im November 2009 brach ich von den USA aus nach Argentinien auf. Es war eine Forschungsreise mit zahlreichen Ortsterminen. Ich traf viele Menschen, unter ihnen Storni-Expertinnen, Verwandte von Storni, sogar Frauen, die in ihrer Jugend bei Alfonsina Storni Sprech- und Schauspielunterricht bekommen hatten. Sie alle halfen mir. So verschaffte mir ein Freund von früher Zugang zum Staatsarchiv. Das Archivo General de la Nación wurde eine wichtige Forschungsstätte, ich fotografierte sehr viel, damals war noch nichts digitalisiert. Im Büro des Direktors fotografierte ich auch die Nationalflagge.

Zwischendurch gab es Ausflüge, zum Beispiel ins Café Tortoni. Man fotografierte in der Sala Storni und bei den grotesken Wachsfiguren von Alfonsina Storni, Jorge Luis Borges und Carlos Gardel. Warum sich der Wachs-Borges (nicht auf dem Foto) so komisch wegduckt, wusste ich damals noch nicht.

Auf dieser Reise wurde mir klar: Ich wollte Alfonsina Stornis Geschichte ein erstes Mal erzählen, am liebsten in einem Hörmedium. Ich hatte bereits Hörspiele und Audioinstallationen gemacht, aber noch kein Feature, einer fast einstündigen Dokumentation, die im Radiostudio produziert und einem bestimmten Sendegefäss ausgestrahlt wurde. Das war Neuland, aber ich würde bestimmt viel dabei lernen. Ich machte Audioaufnahmen vom Ambiente auf den Strassen von Buenos Aires.

Im Sommer 2009 traf ich Bernard Senn, den verantwortlichen Redakteur beim Schweizer Radio. Ich wollte ihn für das Projekt gewinnen. Mein Pitch war aufgehängt am Lied Alfonsina y el mar – zum Glück war das eins von Bernards Lieblingsliedern. Er bewilligte das Projekt, und es begann eine glückliche Kooperation, die mich im Sommer 2010 ins Radiostudio auf dem Bruderholz führte.

Die Interviews, die ich in Buenos Aires gemacht hatte, mussten übersetzt und neu eingesprochen werden; dabei unterstützten uns Sprecherinnen und Sprechern des Senders, aber auch die Schauspielerin Mona Petri, die alle Texte von Alfonsina Storni einsprach. Auch die Originaltöne aus Buenos Aires und dem Tessin fanden Verwendung.

Im Oktober 2010 war Argentinien Gast der Frankfurter Buchmesse, das Radiofeature wurde erstmals ausgestrahlt.

Männerwelt

Ausgebremst

Nach dem Radiofeature vertiefte ich mich in Teile von Stornis Werk, die in Europa ganz und in Argentinien weitgehend unbekannt waren: erstens dem Journalismus (in Argentinien hatte ich immerhin zwei junge Forscherinnen kennengelernt, die Stornis Kolumnen zwischen 1919 und 1921 schätzten und einige davon mit einem klugen Vorwort versehen neu herausgegeben haben) und zweitens ihren Theatertexten (hier war ich mit meinem Interesse allein auf weiter Flur).

In diesen beiden Genres ist am stärksten spürbar, gegen welche Kräfte sich Alfonsina Storni zeitlebens stemmen musste, um künstlerisch tätig und gesellschaftspolitisch sichtbar werden zu können. Das Geschlecht war eine Fessel, nicht nur für Alfonsina Storni, aber sie empfand sie besonders schmerzlich.

Das gesamte Werk der Alfonsina Storni legt Zeugnis dafür ab, dass sie nur unter grossen Anstrengungen als oft erste und vor allem einzige unverheiratete Frau in einer Männerwelt ihre Stimme erheben konnte, und das tat sie ein Leben lang in verschiedenen Rollen, als Staatsbürgerin, Journalistin, Dichterin, Erzählerin, Literaturkritikerin, Theatermacherin, Dozentin. Sogar die Lyrik, die man als Reservat für das schöne Geschlecht eingerichtet hatte, war mehrheitlich von Männern bevölkert. Rebellion und Ungeduld, Satire und Sarkasmus, Feminismus und Fantasien einer freien, humanistischen Welt jenseits von Gender prägen Stornis Werk.

Es wirkt fast paradox, dass Storni in der damaligen Presse zum Star wurde. In Zeitungen und Zeitschriften fand ich zahlreiche Beiträge zu Alfonsina Storni und Interviews mit ihr, auch viele zu ihrer Lyrik (immer wieder versuchte sie das Gespräch auf das Theater zu lenken, vergeblich). Manches hatte einen saisonalen Aufhänger: Wie feiern Sie Weihnachten? In der Karnevalsausgabe: Wären Sie lieber ein Mann? Im Sommer: Wo machen Sie Urlaub? In politisch brisanten Zeiten: Welchen Politiker würden Sie gern heiraten? Sogar Astrologen, Graphologen und Handleser wurden bemüht, um der Dichterinnenseele auf die Spur zu kommen.

Theater ums Theater

Alfonsina Storni brannte für das Theater, aber der Weg auf die Bühne war steinig. Alfonsina Stornis erste Komödie Zwei Frauen wurde zwar uraufgeführt, aber diese Erfahrung war gelinde gesagt glücklos. Die Autorin selbst liess das Stück nach der Uraufführung 1927 absetzen (vgl. Wach, Kap. 6 und 7) und enthüllte den Filz im Theaterbetrieb von Buenos Aires. Bei der (aus Stornis Sicht misslungenen) Inszenierung erlebte sie u.a. eine inkompetente Theatertruppe, Mauschelei und Vetternwirtschaft, Heuchelei und Verlogenheit der Presse.

Natürlich käme es den Veteranen im Theaterbetrieb nicht in den Sinn, von solchen Konflikten zu berichten, denn sie sind daran gewohnt. Aber für mich war diese Welt, die sich hinter und zwischen den Theatervorhängen verbirgt (sich also nicht auf der Bühne selbst zeigt), neu. Sie besteht aus straff gespannten Fäden, die so eng verwoben und festgezurrt sind, dass es sich lohnt, dieses Geflecht einmal zu dokumentieren. Im Dokumentieren sehe ich eine zivilisatorische Aufgabe, vielleicht die einzige, die rechtfertigt, dass Menschen ihren Fuß auf den Planeten Erde setzen. Ja, das Leben dokumentieren! Eine schöne Sache.
CIMBELINA, 235

Souverän setzte sich Alfonsina Storni in die Nesseln und verriet spöttisch, wie sie sich von dem Theaterintendanten, einem «listigen Unternehmer», um den Finger wickeln liess:

Er führte mich aufs Glatteis. Er sagte mir Dinge wie: ‹Alfonsina Storni, ich bewundere Sie! Sie sind die Rettung Amerikas. Sie stellen jede Schriftstellerin in den Schatten. Mit Ihnen verglichen leiden sie alle an Anämie. In Ihnen ist buchstäblich 100 Prozent Hämoglobin. Sie sollen eine Komödie vollendet haben, man hat sie mir sehr ans Herz gelegt. Ich bin Theaterunternehmer und suche nach einem aufführungswürdigen Stück. Meine Frau, die Primadonna unseres Ensembles, wäre die perfekte Besetzung für die Hauptrolle. Ich möchte die Uraufführung inszenieren.› Und so weiter. Ach, wie mich das mit dem Hämoglobin gerührt hat! Ergebnis: Ich übergab ihm meine Komödie.
CIMBELINA, 236

Das Theater blieb das wichtigste Medium ihrer künstlerischen Entwicklung: Hier konnte sie mit Wort, Stimme und Bewegung, mit Licht, Bühnenraum eine Wirklichkeit erschaffen, in dem Charaktere aufeinanderprallten oder zueinander fanden. Alfonsina Storni adaptierte Theaterstücke von Euripides und Shakespeare mit erfrischender Respektlosigkeit und fasste sie zusammen mit einem dritten Theaterstück unter dem Ausdruck «Feuerwerksfarcen» zusammen. Provokative Stücke für eine moderne Experimentalbühne!

Sie blieben in der Schublade und wurden nie inszeniert. Seit der Uraufführung von 1927 blieb Alfonsina Storni das Erwachsenentheater versperrt. Umso wichtiger scheint mir, all diese unaufgeführten Stücke zu übersetzen und im Band CIMBELINA auf Deutsch zugänglich zu machen (sie sind auch auf Spanisch heute nur antiquarisch greifbar).

Ich gebe Alfonsina Stornis Kreationen für Theater auch in der Biografie viel Raum. Die Bühne war der Ort ihrer Träume und Alpträume. Sie wollte nicht Schauspielerin sein und die Worte anderer aufsagen, sondern eine Autorin, die eine neue Welt mit neuen Menschen und neuer Sprache bevölkerte. Sie wollte Zeichen setzen. Sie wollte aufzeigen, dass es einen Weg aus der Unmündigkeit: weg von der machistischen Selbstverdummung der Frau hin zu ihrer Selbstermächtigung. Die moderne Frau lässt sich ihr Leben nicht aus der Hand nehmen. Im Theater komponierte Storni Zukunftsmusik.

Die Werkausgabe

Die gebürtige Tessinerin Alfonsina Storni (1892–1938) schrieb auf Argentinisch, denn sie war mit vier Jahren nach Argentinien gekommen. Abgesehen von einer Telegrammzeile an einen Tessiner Verwandten gibt es nichts in ihrer Muttersprache Italienisch.

Als ich die Arbeit an diesem Projekt aufnahm, gab es auf Deutsch einige wenige Gedichtanthologien. Bald war mir klar, dass das keine Grundlage für meine Arbeit sein konnte, denn Storni war auch Journalistin, Erzählerin, Theatermacherin gewesen. Sie engagierte sich gesellschaftspolitisch mit den Mitteln der Kunst; später sagte sie, sie schreibe wie ein Medium. Die Aktivistin bespielte in Zeitungen und Zeitschriften immer wieder neue Gattungen, blieb bis zuletzt selbstkritisch, experimentierfreudig und spielerisch. So kam es, dass ich nach Jahren der Recherche die erste Werkausgabe auf Deutsch in eigener Übersetzung herausbrachte, in fünf Bänden, die dann zur Grundlage meiner Biografie wurde. Als Biografin, Übersetzerin und Herausgeberin veröffentlichte ich total neun Bücher, sieben davon im Zürcher Verlag Edition Maulhelden. Alfonsina Stornis Werk kann nun entdeckt werden.

Eine Werkausgabe ist keine Gesamtausgabe. Ich wollte allen Interessierten genug textliche Vielfalt an die Hand geben, damit sie Stornis Stil, ihre Anliegen, Themen und literarischen Formen, aber auch ihre Persönlichkeit, Lebenshaltung und Weltsicht kennenlernen konnten. Die ersten vier Bände enthalten Kolumnen - Erzählungen, Kurzprosa und Literaturkritik - Interviews, Briefe und Porträts - Theaterstücke für Kinder und Erwachsene, ein theaterpraktischer Essay. Als diese vier Bände erschienen waren, durfte ich ein Gespräch mit Monika Schärer führen.

Der Lyrikband Ultrafantasía vervollständigt die Werkausgabe. Gedichte aus allen Schaffensphasen, zweisprachig und illustriert. Im Ausland staunte man über die Autorin, vielleicht auch die Übersetzerin und Herausgeberin, denn rebellisch und alpenländisch sind ja beide.

Was ist da nur los in Helvetien, ist man einen Moment lang versucht zu fragen? Während in Deutschland silberbärtige Herren das barocke Wunderkind Sibylla Schwarz in schmalen Bändchen edieren, legen alpenländische Rebellinnen Gesamtwerke auf den Tisch. Man denke hierbei etwa auch an die Herausgeberschaft der Literatur von Marina Zwetajewa
(1892–1941) durch Ilma Rakusa. Und da ist sie wieder, die ganze Spannweite jener Frage: Wen oder was meint „feministische Literatur“? Restitution am Kanon? Ein Nachtrag? Aus der Vorzeit hervoredierte „weibliche Positionen“ wie Sappho oder Sibylla Schwarz? Oder doch lieber Poesie, wie diese hier, die wie eine Säge durchs Herz geht.
Paul-Henri Campbell, Volltext 1/2023

Buchmesse Leipzig 2023, Leseinsel der unabhängigen Verlage, Kurt Wolff Stiftung

Buchtipp im Literaturclub SRF, Januar 2024

Bei meinen Recherchen stiess ich auf Texte, die nicht in der spanischen Gesamtausgabe enthalten sind. Ich übersetzte diese Neufunde im Wissen, dass ihr Original nicht veröffentlicht war. Ihr einzigartiges, umfangreiches Lebenswerk blieb ausserhalb von Argentinien unbekannt und in Argentinien selbst für ganz Wenige ein Geheimtipp. Der Mythos von der Selbstmörderin ist bis heute vorherrschend; dazu braucht es wirklich keine Text- und Faktenkenntnis.

Als ich zu forschen begann, gab es ausserhalb der spanischen Sprache keine repräsentative Werkausgabe. Als Biografin brauchte ich aber zwingend eine solide Zitiergrundlage. Die Werkausgabe ist also nicht nur ein fünfbändiger Sprengsatz, den die Autorin nun auch in ihrer alten Heimat zünden kann, sondern die Grundlage der ersten Biografie ausserhalb des spanischen Sprachraums. Wir erfanden ein elegantes Referenzsystem mit Zahlen am Seitenrand, in den Farben des jeweiligen Bandes. Beim Lesen der Biografie reist man also auch durch Stornis Werk. So verbindet das Layout die sieben Storni-Bücher der Edition Maulhelden miteinander.

Der Podcast

Als die Werkausgabe vollständig erschienen war, beschloss ich, die einzelnen Bände und prominente Themen in einem Podcast vorzustellen. 15 Folgen gingen online, in vier Folgen sprach ich mit Gästen über das Werk (Matthias Zehnder, Raphaela Edelbauer, Stefan Gmünder und Maria-Christina Piwowarski). Der erste Beitrag drehte sich um den Feminismus, und der letzte um den letzten Band, Ultrafantasía.

Die Biografie

Im Herbst 2024 war es dann soweit. Meine Biografie erzählt vom Leben und Weiterleben der Alfonsina Storni. Dazu gehört nicht nur die Generation ihrer Eltern, die zu Emigranten wurden, sondern auch alles, was nach Alfonsina Stornis Freitod am 25. Oktober 1938 geschehen ist: wie formten und deformierten Monumente auf Friedhöfen, ein Spielfilm, ein Lied die Erinnerung an sie in Lateinamerika und der Schweiz? In Argentinien kannte man eine Selbstmörderin, die hie und da dichtete – im Tessin, in der Deutschschweiz kannte man die öffentliche Intellektuelle, die Alfonsina Storni war, nicht.

Wer eine Kreativschaffende ins Licht heben will, sollte sie nicht als Selbstmörderin feiern. Das starke, simple Bild wird sich vor ihre historische Wirklichkeit und ihr Werk stellen und beide in Vergessenheit geraten lassen.
Hildegard E. Keller, Frei, 290

Ein großes Herz

Anfangs 1938 erkannte sie, dass der Brustkrebs nicht aufzuhalten war. Ein Leben lang hatte sie ihre Selbstbestimmung und wirtschaftliche Unabhängigkeit hochgehalten, doch nun schwanden ihre Kräfte. Die Hauptfigur einer Feuerwerksfarce spricht auch für die Autorin:

Zum Tode verurteilt? Das sind wir doch alle, mit dem kleinen Unterschied, dass die einen ein paar Jahre mehr als die anderen haben. Das Einzige, was ich die Menschen lehren würde, ist sterben können. Ein großes Herz liebt das Leben, kann aber auch ebenso gut den Tod annehmen.
CIMBELINA, 120

Im letzten Buch nahm sie Abschied vom Leben und ihrem nunmehr abgeschlossenen Werk. Im Vorwort sagt sie, was sie noch zu sagen hat. Die Bedeutung schöpferischer Menschen liege nicht in ihren Niederlagen, sondern in der Kraft, mit der sie etwas in die Luft schleudern können, ganz und gar unverwechselbar. Und dann sagt sie:

Die eigentliche Nachlassverwalterin für das Werk eines Autors ist die Zeit. Sie scheidet das eine vom andern, sortiert aus und lässt, wo nötig, Schaufeln voller Erde darauf fallen. Das ist auch recht so.
CARDO, 209

Dürfte ich mit einem Schriftsteller über die Zeit nach dem Tod sprechen, so würde ich den Chilenen Roberto Bolaño (1953-2003) wählen. Er weiss Bescheid über die Lebens- und Wiedergeburtszyklen von Literaten. Er lässt die Hauptfigur eines Romans prophezeien, was mit den Büchern des 20. Jahrhunderts passieren wird:

El futuro, puedo ver el futuro de los libros del siglo XX. / Die Zukunft, ich kann die Zukunft der Bücher des 20. Jahrhunderts sehen.
Roberto Bolaño, Amuleto, 1999

Die Offenbarung ist lang und reich an Namen: James Joyce werde 2124 als chinesisches Kind wiedergeboren werden, 2101 komme Thomas Mann in Ecuador als Pharmazeut zur Welt, nach 2033 werde Marcel Proust in eine verzweifelt lange Vergessenheit geraten, Franz Kafka werde 2101 in allen Tunneln von ganz Lateinamerika wieder gelesen werden. Man erfährt, dass das Jahr 2050 für Alfonsina Storni wichtig sein werde:

Alfonsina Storni se reencarnará en gato o león marino, no lo puedo precisar, en el año 2050./ Alfonsina Storni wird im Jahr 2050 als Katze oder Seelöwe wiedergeboren werden, genauer kann ich es nicht sagen.
Roberto Bolaño, Amuleto, 1999

Im Januar 2026 wird die Biografie mit dem Gold Award ICMA ausgezeichnet.

The double cover that connects the two volumes is very innovative. Very valuable and elegant book design, very well-chosen images to match the text.
Jury of the 16. International Creative Media Award ICMA, Dec. 2025

Weiterlesen

Alfonsina wie? Essay von Hildegard E. Keller, 2022 (PDF)

Frankfurter Buchmesse 2024, Leseinsel der unabhängigen Verlage, Kurt Wolff Stiftung (Lesungsprogramm)

Die Biografie soll auf Italienisch herauskommen. Bis es soweit ist, gibt es die Anthologie Cronache und meinen Beitrag in der Enciclopedia delle Donne.

Medien

Blauschwarzberlin

Die Buchpodcaster Maria-Christina Piwowarski & Ludwig Lohmann. Folge 68, November 2024, ab Minute 26.40 zu Alfonsina Storni, der Edition Maulhelden, der Werkausgabe und der Biografie.

Ich weiss nicht, ob ihr Hildegard Keller kennt, aber ich bin wirklich ein unfassbar grosser Fan dieser wahnsinnig klugen, belesenen, gut erzählenden Frau, sie hat einen grossartigen Roman über Hannah Arendt geschrieben, und seitdem bin ich wirklich Hildegard Keller-Ultra.
Maria-Christina Piwowarski

Tagesschau SRF

Kulturzeit 3sat

Kontext SRF

Literaturpodcast

Solothurner Literaturtage

Miniaturen- und Filmspiele

In Bloomington begann ich mit Miniaturinstallationen zu spielen, die wir dann um Lichteffekte ergänzten und filmten. Diese ersten Filmexperimente montierte ich mit dem Kameramann Carter Ross eine Reihe von Filmgedichten. Als Sprecherinnen wirkten mit Emily Mange (Englisch) und Mona Petri (Deutsch).

Performance

Performance ist einer meiner Lieblingswege, von Alfonsinas Leben und Werk zu erzählen. Wort und Musik, Stimme und Bewegung, Bilder auf der Bühne und Menschen im Parkett, das alles passt zu ihr. Sie liebte und lebte im Theater.

2016

In Bloomington kam es zur Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Komponisten Francisco Córtez Álvarez. Er schrieb eine Alfonsina-Suite, die ich in Auftrag gegeben hatte, leitete die Uraufführung im Buskirk Chumley Theatre und spielte selbst mit. Ein wunderbares Team aus Musikstudierenden, insbesondere der Mezzosopranistin Patricia Illera, die nun das europäische Opernpublikum begeistert, waren bei der Uraufführung dabei. Ein Blick in die Proben.

Auch hinter den Kulissen arbeiteten sehr viele mit, auch Angehörige des German Department, an dem ich lehrte: die Redaktion des aufwändigen Programmbuchs (PDF) lag in den Händen von Maria Fink, Doktorandin, als Regieassistent wirkte Arne Willée, ebenfalls Doktorand. Für die Übersetzungen der Storni-Texte und die Redaktion des zweisprachigen Drehbuchs war meine Kollegin Julia Karin Lawson zuständig.

2024-2026

Seit dem Erscheinen der Biografie trat ich mit Gry Knudsen, Sopran, und Hans Wäber, Akkordeonist, auf vielen Bühnen in der Schweiz auf, mit Liedern von Hans Wäber, und Geschichten vom Leben und Weiterleben der Alfonsina Storni. Die Uraufführung fand im Oktober 2024 in St. Moritz statt.

Gastauftritt

In meinem Roman Was wir scheinen gab ich Alfonsina Storni einen Cameo-Auftritt. Ich fand das fair, denn die Idee mit dem letzten Sommer, die den Roman strukturiert, kam mir beim Übersetzen eines Texts über den Sommer 1938. Eine junge Frau machte nämlich im selben Hotel wie Storni Urlaub. Die zwei Frauen kamen ins Gespräch, und die Jüngere schrieb später ihre Erinnerungen auf. Mich berührte daran sehr, dass Alfonsina, diese in persönlichen Dingen sehr zurückhaltende Frau, am Strand von Uruguay so viel von sich preisgab.

Das war ein Funke der Inspiration und ich der Hauptfigur des Romans ganz viel Raum für den Sommer 1975, den Hannah Arendt im Tessin verbringt. Er wird zum Erzählraum für das gelebte Leben. Eines Abends vertieft sich Hannah Arendt in einen Gedichtband aus der Hotelbibliothek und macht sich Gedanken zum Abschiedsgedicht von Alfonsina Storni.