Die Trilogie des Zeitlosen ist eine Serie aus drei Büchern mit je einem Hörspiel, das ich geschrieben, inszeniert und in Zusammenarbeit mit Musikerinnen, Schauspielern und Tontechnikern produziert habe. Die drei Bücher sind im September 2011 in Zürich erschienen (Die Stunde des Hundes in zweiter Auflage).
In den drei Hörspielen verbinde ich historische Fakten mit literarischer Fiktion. Die Themen sprengen die Grenzen von Zeit und Raum. Meine folgenreichste Entscheidung ist der Umgang mit der Zeit, in der die historischen Persönlichkeiten gelebt haben. Ich schiebe nämlich die Epochen wie eine Concertina zusammen, um die Figuren miteinander ins Gespräch zu bringen. Ihre Gesprächsthemen sind Gott und die Welt, Leben und Tod, Körper, Seele und Geist, das Unfassbare, die Quelle des Seins, das Namenlose und Absolute. Gott und Gottheit. Entgrenzung pur.
Diese Hörspiele erzählen mit Bildern und Gleichnissen. Das beginnt bei ihren Titeln. Die Stunde des Hundes markiert eine Lebenslektion, die auf eine einzige Szene zusammenschnurrt: Ein Hund spielt mit einem Stofflappen, der das wilde Tun des Tiers einfach über sich ergehen lässt. Das Kamel und das Nadelöhr ist das Gleichnis aus dem Evangelium, in dem Jesus in einem grotesken Vergleich ausdrückt, was er zur Frage von Haben und Sein zu sagen hat; es ist auch ein Gleichnis, wie man abstrakte Dinge kommunizieren kann. Der Ozean im Fingerhut veranschaulicht den menschlichen Versuch, das Absolute (den Ozean) in Worte, Bilder und abstrakte Konzepte (alles nur Fingerhüte!) zu giessen. Das Wichtigste aber ist, dass wir nicht aufhören, es trotzdem zu versuchen.
Für Männer, die im Mittelalter Zugang zu Bildung hatten, war die Theorie der Königsweg: Meister Eckhart, Professor in Paris, und sein Schüler Heinrich Seuse nutzten Konzepte, um vom Unsagbaren zu sprechen. Sie waren sich bewusst, dass es nur Zipfel sind, an denen man das Ungreifbare zu fassen bekommt. Von Zhuangzi, dem dritten Autor aus der Trilogie des Zeitlosen, ist nur sehr wenig bekannt.
Die Autorinnen, die hier zu Wort kommen, haben andere Wege eingeschlagen. Auch das ist historisch bedingt, denn Frauen waren an Schulen und Universitäten bis ins späte 19. Jahrhundert nicht zugelassen. Manche von ihnen, und dazu gehören die drei Frauen aus dem Mittelalter, stützten sich auf sich selbst ab. Sie schrieben ausgehend von ihrer Lebenserfahrung. Ihre Lieder, Gedichte, Visionen geben Kunde von dem, was sie im Körper und ausserhalb davon erlebten. Hildegard von Bingen, Hadewijch, Mechthild von Magdeburg und Elsbeth Stagel drücken aus, wie sie das Absolute erkundeten.
Alle Suchenden, die in dieser Trilogie des Zeitlosen zu Wort kommen, sind grosse Staunende. Mit ihrer Sehnsucht nach Ausdruck bahnten sie sich auch einen Weg zu den Menschen. Wie sie das taten, erzähle ich in der Trilogie des Zeitlosen. Ich bringe sie auch ins Gespräch miteinander.
Die Stunde des Hundes
Heinrich Seuse im Gespräch mit Elsbeth Stagel
Gottsucher
Der "Diener der ewigen Weisheit" ist die Hauptfigur des Hörspiels Die Stunde des Hundes. Er ist Mönch im Konstanzer Inselkloster und ein unerbittlicher Gottsucher. Er wendet alle Mittel an und erzählt von seinen vielen, teils schweren Krisen. Doch der absolute Tiefpunkt in seinem Leben ist die Stunde, als er den Hund im Klosterhof sieht. Dieser Hund, der einen Stofflappen im Maul trägt, bringt die Wende und wird zum Lehrmeister des Mönchs.
Das Hörspiel Die Stunde des Hundes erzählt vom spannungsreichen Weg des Mönchs, der sich auch der Süsse nennt. Hinter ihm verbirgt sich Heinrich Seuse (ca. 1295-1366). Abgestützt auf sein Exemplar erzähle ich seine Geschichte. Für das Drehbuch habe ich die Ich-Perspektive gewählt. Der Mönch erzählt, was er erlebt und warum er dies für exemplarisch hält. Da kommt Gott ins Spiel, denn der Mönch lässt sich von Gott den besonderen Wert des Buches bestätigen. Das Exemplar soll anderen Menschen als Handbuch dienen. Bescheiden ist dieser Mönch also nicht gerade. Er wird zum Coach für Menschen, die Gott suchen. Eine von ihnen ist die Nonne Elsbeth Stagel. Der Mönch stellt sie dar als seine Meisterschülerin.
Das Hörspiel wurde eingesprochen von Klaus-Henner Russius (der Mönch), Hildegard E. Keller (Elsbeth Stagel) und Christian Seiler (Inquisitor). Die Musik sind Improvisationen von Sandra Suter (Gesang) und Markus Kluibenschädl (Hackbrett). Schnitt, Mischung: Walter Weber, Tonstudio der Universität Zürich.
Das Buch Die Stunde des Hundes führt ein in die Grundlagen, auf die ich mich beim Schreiben des Hörspiels stützte: Heinrich Seuse, sein Exemplar, die bebilderten Handschriften, insbesondere die Einsiedler Handschrift, historische Dokumente zu den Klöstern der Dominikaner (Inselkloster Konstanz) und der Dominikanerinnen (Kloster in Konstanz und Töss), die Bodenseelandschaft im Spätmittelalter.
Das ist der Mönch, der sich selbst der Diener der ewigen Weisheit oder auch der Süsse nennt (auf Lateinisch Suso, nach dem Namen seiner Mutter). Er trägt die typische Kleidung der Dominikanermönche. Er lebte viele Jahre lang im Konstanzer Inselkloster, direkt am Wasser. Der einzige erhaltene Teil der mittelalterlichen Gebäude ist das Kirchenschiff, das renoviert wurde, um als Bankettsaal für das Hotel zu dienen, das heute auf dem Gelände des Klosters steht. Der Mönch hat vielleicht einst von seiner Zelle aus denselben Ausblick genossen wie die Hotelgäste heute.
Zimmer mit Seeblick. Insel Hotel Konstanz
Blick aus dem Fenster. Insel Hotel Konstanz
Weltliche Genüsse lagen dem Mönch fern. Sein Programm war spätmittelalterlich: die Nachfolge Christi im Leiden. Mit der Hand zeigt der Mönch auf das Zeichen IHS, das er sich selbst in die Brust geritzt hat (der abgekürzte Name JESUS). Dieser Mönch scheute vor keiner Askesepraktik zurück - je blutiger, desto besser. Für den Süssen war dies der einzige Weg, um Gott zu suchen. Bis ihn der Hund eines Besseren belehrte.
Das ist Elsbeth Stagel. Die gebürtige Zürcherin lebte im Dominikanerinnen-Kloster in Töss bei Winterthur. Der Mönch war vielleicht ihr Beichtvater, aber in seinem Werk machte er sie zu seiner eifrigen Schülerin und sich selbst zum Coach auf dem Weg zu Gott. Sie stellte viele Fragen, er gab die Antworten.
Der Mönch musste immer wieder die Erfahrung machen, dass er bis an die Himmelstür gelangte, sie ihm aber verschlossen blieb. Er verstand nicht, was er falsch machte. Er folgte Jesus Christus im Leiden nach und suchte dessen Passion nachzuvollziehen, durch Askese und Kasteiung. Peinigte er sich vielleicht nicht hart genug? Fastete er nicht lange genug? Musste er die ganze Nacht lang wach bleiben statt nur ein paar Stunden auf Schlaf zu verzichten? Waren die Stacheln an seiner Peitsche, mit der er sich geisselte, stumpf geworden?
Der Mönch war zweifellos radikal, aber sein Tun entsprach dem Zeitgeist. In der Kirche des Inselklosters befindet sich einer der eindrücklichsten Bilderzyklen mit Märtyrerszenen. Sie haben die Bombardierung von Konstanz im Zweiten Weltkrieg wie durch ein Wunder überstanden.
Heute dient das ehemalige Kirchenschiff als Festsaal des Hotels. Dort feierten wir die Vernissage am 15. Dezember 2007.
Engel sind die klassischen Boten Gottes. Sie brachten dem Mönch Mitteilungen, die nicht immer angenehm waren. Er sei auf dem Holzweg. Die Torturen, denen er sich unterziehe, würden ihn noch an den Rand bringen, aber er hörte nicht auf sie und erfand sich immer wieder neue Folterinstrumente. So auch Nagelhandschuhe, die ihn daran hinderten sich zu kratzen, wenn die Wunden, die er sich selbst beigebracht hatte, so bissen, dass er es kaum aushielt.
Elsbeth war nicht die einzige Schülerin des Mönchs. Auch ausserhalb der Klöster hörten Menschen von der Möglichkeit, ein sogenannter Gottesfreund zu werden. Sie lebten in Städten, taten sich zusammen und lasen gemeinsam die mystischen Schriften aus den Klöstern. Sie liessen sie auch für sich abschreiben, doch das war damals nicht ungefährlich. Die Kirche kontrollierte alle und alles. Nur der Klerus durfte das Wissen über Gott beanspruchen. Deshalb wurden Menschen, die ohne Aufsicht der Kleriker Gott suchten, verdächtigt, sogenannte Freigeister zu sein. Sie entzogen sich der Kontrolle und erlebten Gott auf ihre eigene Weise. Auch der Mönch geriet ins Visier der Inquisition. Schliesslich hatten sie bei ihm gelesen:
Los selb, waz got in dir sprech!
Gottheit
Das grosse Thema ist Gott. Der Mönch stellt sich immer wieder neu die Frage: Wie kann man von Gott sprechen? Kann man mit Bildern veranschaulichen, was das Bildlose ist? Und was sollte er sagen, wenn Elsbeth und andere Menschen fragten, wie man Gott finde. Genau das tut Elsbeth gegen Ende des Hörspiels:
Wa got ist, daz wústi ich gern.
Der Mönch gibt einen scheinbar einfachen Rat: Sie solle die inneren Ohren der Seele öffnen und lauschen. Dann sagt der Mönch: Ein roter Faden führt durch den Kosmos, verbindet alles Geschaffene, alle Erfahrungen, alle Kräfte im und um den Menschen. Dieser Faden geht durch die Trinität mitten in den grossen Kreis, die Gottheit. Er ist in der Einsiedler Handschrift zu sehen.
sbe-0710_106r. Heinrich Seuse, Exemplar
sbe-0710_106r. Heinrich Seuse, Exemplar
Das einig Ein
Der Weg durch die Schöpfung gipfelt in den konzentrischen Kreisen. Sie sind mit Gold gemalt und symbolisieren die Gottheit: ein Sein, das sich von nirgends genommen oder empfangen hat. Ein Sein, das weder ein Vorher noch ein Nachher kennt.
ein einiges ein in ainvaltiger blossheit.
Nur so gelangt man zum Unbegreiflichen: in die verborgene göttliche Wahrheit, den Anfang und das Ende alles Seienden. Dieses Licht ist in den Dingen und zugleich ausserhalb von ihnen.
Hör zu, Elsbeth, hier hast du ein Gleichnis für Gott, das die Meister schätzten, es ist eines der Bilder, mit denen man Bilder austreibt: Gott ist wie ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall und dessen Umkreis nirgends ist. Stell dir einfach vor, du würdest mit grosser Kraft einen Stein in einen stillen See werfen. Was geschieht dann?
Preisgekrönter Hund
Die Stunde des Hundes wurde für den Deutschen Hörbuchpreis 2009 nominiert.
Eine echte Hör- und Lesefahrt durchs frühe 14. Jahrhundert. Ein gelungener Versuch, "totes Pergament" durch "lebendigen Mund" Sprache werden zu lassen. Die optische Erscheinung und das Zusatzmaterial machen dieses Hörbuch zu einem verlegerischen Gesamtkunstwerk.
Die Kategorie Beste verlegerische Leistung ist rückblickend betrachtet ein freundlicher Wink des Schicksals. Ich bin die Autorin des Hörspiels sowie auch grosser Teile des Buchs, zudem Sprecherin, Regisseurin, Produzentin, aber Verlegerin war ich damals noch nicht. Erst zehn Jahre später war es dann soweit.
Foto: Michael Miethe
Foto: Michael Miethe
Für Die Stunde des Hundes erhielt ich den Mystikpreis der Theophrastus-Stiftung 2009. Die Preisübergabe fand am 10. März 2010 im Festsaal des Hotels statt, somit in der ehemaligen Kirche des Konstanzer Inselklosters, in dem Heinrich Seuse gelebt hatte. Weitere Preisträger waren Bernard McGinn (Mystikforschung), Thomas und Brigitte Görnitz (Ganzheitliche Medizin) und Ulrich Schnabel (Medien).
Die Preisträger 2009. Foto: Michael Miethe
Die Preisträger 2009. Foto: Michael Miethe
Der Vorstand, die Preisträger und ihre Laudatoren. Foto: Michael Miethe
Der Vorstand, die Preisträger und ihre Laudatoren. Foto: Michael Miethe
Mit Bernard McGinn, Preisfeier
Mit Bernard McGinn, Preisfeier
Aus der Laudatio von Dr. Jörn Münkner:
Hildegard Keller ist in St. Gallen geboren. Sie sollte mit dem Bodensee und dem Rhein, der ihn durchströmt, wie mit Gewässern allgemein verbunden bleiben. Da fließt und strömt es unaufhörlich. Hildegard Keller hat seit je ihre naturgewaltigen Hervorbringungs-, Austausch- und Verbindungskräfte ermessen. Die multitalentierte Preisträgerin schafft mit dem Hörbuch einen Wissensträger, der ästhetische, sensorische, verlegerische und wissenschaftliche Qualitäten in sich vereint.
Diese Anerkennung bedeutet mir sehr viel. Die Stunde des Hundes half mir, zur Leichtigkeit und Spielfreude zurück zu finden, die mir im akademischen Betrieb abhanden gekommen war. Im Hörspiel geht es um Gelassenheit, die Haltung zum Leben und zu sich selbst. Damals schrieb ich in mein Journal: «Freigeister. Selbst denken wurde selten honoriert.» Das künstlerische Gestalten gab mir Kraft und beflügelte mich für den Umzug nach Amerika.
Das Buch war schnell vergriffen. In Amerika beschloss ich eine Wiederauflage. Der Hund bekam neue Gefährten, das Kamel und den Ozean.
Das Kamel und das Nadelöhr
Zhuangzi und Meister Eckhart im Gespräch
Ost und West
Im Hörspiel Das Kamel und das Nadelöhr gehen zwei alte Meister auf eine gemeinsame Reise. Der eine stammt aus dem alten China, der andere aus deutschen Landen. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus. Meister Eckhart staunt über die Bambusleisten, auf denen Zhuangzis Texte stehen. Dieser wiederum staunt über die philosophischen Inhalte, über die sich Meister Eckhart den Kopf zerbricht, und mehr noch verwundert ihn, wie die Menschen ihren Seelsorger denn verstehen konnten, was er predigte.
Das Hörspiel Das Kamel und das Nadelöhr bringt also zwei Menschen zusammen, die in sehr unterschiedlichen Welten und Zeiten gelebt haben. Ihre anfängliche Skepsis weicht einer tiefen gegenseitigen Wertschätzung. Sie haben einander viel zu sagen in den gut siebzig Minuten.
Das Kamel und das Nadelöhr ist ein Disput, der versöhnlich endet. Mir ging es nicht um traditionelle Fragen der Literaturwissenschaft - wer hat wen direkt oder indirekt gekannt, beeinflusst und so weiter. In der Trilogie des Zeitlosen experimentiere ich. Was geschieht, wenn verfestigte Bilder und Texte wieder geschmeidig werden? Was denken die Meister über den Gang der Dinge, zu ihren Lebzeiten, aber auch nach ihrem Tod? Meister Zhuang und Meister Eckhart überraschen einander bis zum Ende des Hörspiels. Es wurde eingesprochen von Klaus-Henner Russius (Zhuangzi) und Jörg Schröder (Meister Eckhart). Die Musik hat uns freundlicherweise das Trio Anderscht zur Verfügung gestellt. Schnitt, Mischung: Alex Dürr, Tonstudio der Universität Zürich.
Das Buch Das Kamel und das Nadelöhr führt ein in die Welten der beiden Meister. Es sind zwei in jeder Hinsicht völlig unterschiedliche Zeit- und Kulturräume. Gastautoren, u.a. der Sinologe Wolfgang Behr und der Gräzist Clemens Müller, tragen wesentlich dazu bei, diesen Kontext greifbar werden zu lassen.
Die beiden Meister haben einiges gemeinsam. Das Buch, bekannt unter Zhuangzis Namen, löst bis heute weltweit Begeisterung aus. Das Werk Meister Eckharts musste erst wieder rekonstruiert werden und geniesst seit seiner Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert internationale Wertschätzung. Beim Schreiben des Hörspiels stützte ich mich auf die Werke, die unter den Namen von Zhuangzi und Meister Eckhart überliefert sind. Ich bringe sie in einen fiktiven Dialog. Ihre Aussagen sind kaum je wörtliche Zitate.
Meister Eckhart lebte von 1260 bis spätestens Ende April 1328. Man weiss nicht genau, unter welchen Umständen der Dominikanermönch gestorben ist, denn gegen Ende seines Lebens geriet er in die Fänge der Inquisition. Menschen aus seinem nächsten Umfeld fielen ihm in den Rücken. Im Hörspiel sitzt ihm diese Erfahrung der Verfolgung noch in den Knochen. Man hatte einzelne Aussagen aus dem Kontext gerissen und unter Ketzereiverdacht gestellt. Es kam schliesslich zum Prozess, der mit dem Schuldspruch endete. Dem Urteil lässt sich entnehmen, dass Meister Eckhart bereits tot war. Er war eine der profiliertesten Figuren seiner Zeit und hinterliess ein umfangreiches Werk aus Predigten und Traktaten in deutscher und lateinischer Sprache. Im Hörspiel findet er es merkwürdig, dass Zhuangzi nichts davon weiss.
Zhuangzi (zu deutsch Meister Zhuang) soll den Personennamen Zhuang Zhou getragen haben. Geboren um 365 v. Chr. und um 290 v. Chr. gestorben. Sein Leben fiel in die Zeit der «Streitenden Reiche» (Zhanguo), eine höchst unruhige Zeit mit Fehden zwischen vielen Teilstaaten. Diese Zeit wird im letzten Kapitel des Zhuangzi, also aus dem Rückblick, so charakterisiert:
Die Welt ist nun in grosser Unordnung, die Weisen bringen ihre Weisheit nicht mehr ans Licht, das dao und seine Tugend gelten nicht mehr allumfassend.
Zhuangzis berühmtestes Gleichnis geht so: Zhuang Zhou träumt, er sei ein Schmetterling, der unbeschwert durch die Lüfte gaukelt. Als er erwacht, erkennt er, daß er Zhuang Zhou ist und freut sich darüber. Und doch fragt er sich: Bin ich nun Zhuang Zhou, der geträumt hat, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der geträumt hat, er sei Zhuang Zhou? Gewiss ist nur, dass alles im Wandel ist. Dagegen hat Meister Eckhart eigentlich nichts einzuwenden, aber die Art von Geschichten, die Zhuangzi erzählt, scheinen ihm kurios. Das macht Meister Eckhart aber auch neugierig: Wie konnten Menschen denn verstehen, was dieser Meister sagte? Genau die gleiche Frage stellt sich aber auch Zhuangzi, wenn er hörte, wie Meister Eckhart predigte.
Seltsame Kreaturen bevölkern die Ränder von mittelalterlichen Handschriften, so auch dieser Rotkopf. Es ist nicht bekannt, wen die Figur darstellt. Vielleicht heisst Meister Buntgescheckt? Zhuangzi ist ein Meister im Erfinden von Namen: Altes Langohr, Halbschatten, Lückenbeisser und Meister Schilfmantel.
Die menschliche Sehnsucht nach Ausdruck bringt alles zum Sprechen. Zhuangzi bringt die Gewässer und ihre Götter ins Gespräch. Der Gott des Nordmeers spricht zum Herr des Gelben Flusses: «Als die Herbstfluten gekommen und den Gelben Fluss übervoll machten, freute sich der Herr des Gelben Flusses, dass all diese Fülle ihm gehörte. Doch als er mit der Strömung des Gelben Flusses ins Nordmeer gelangte und dort ringsum nur noch Wasser sah, seufzte er enttäuscht zum Gott des Nordmeers: «Erst jetzt erkenne ich Eure Grenzenlosigkeit.» Dieser entgegnete: «Ein Frosch im Brunnen kann nicht über das Meer sprechen, er hockt in seinem Gemäuer. Eine Sommermücke kann nicht über Eis sprechen, sie kennt nur ihre Jahreszeit. Wer etwas weiss, kann nicht über das Dao sprechen, denn sein Wissen hält ihn gefangen. Jetzt, wo du dein Ufer verlassen hast, das Meer siehst und deine Grenzen erkennst, kannst du über die grossen Dinge sprechen. Es gibt keine grösseren Gewässer als das Meer. Es kennt keinen Wandel. Doch für mich war dies nie wichtig, denn ich sehe mich in Bezug zu Himmel und Erde, und da bin ich klein wie ein Kieselstein. Wie sollte ich mich für gross halten? Alles ist fortlaufend im Fluss.»
Was ist wirklich? fragt Zhuangzi. Meister Eckhart hat am eigenen Leib erfahren, dass die Kirche ihre Autorität mit allen Mitteln durchsetzt. Zhuangzi, der ebenfalls weiss, was Macht bedeutet, würde den Papst herausfordern, und zwar mit einer Frage, die nur ein Brunnenfrosch stellen kann. «Was für ein Unsinn», findet Meister Eckhart. Da erzählt ihm Zhuangzi die folgende Geschichte.
Der Brunnenfrosch sprach zu einer Schildkröste des Ostmeers: «Was bin ich doch für ein gesegnetes Geschöpf! Ich hüpfe auf den Brunnenrand, gleite den schlüpfrigen Steinen entlang auf den Grund, falte meine Beine zusammen und ziehe mein Kinn an. Weder Krebse noch Kaulquappen können mir das Wasser reichen. Ich bin der Alleinherrscher in meinem Wasserloch – was gibt es Besseres? Komm und schau selbst!» Die Schildkröte zögerte und begann vom Meer zu sprechen: «Tausend Faden würden nicht ausreichen, um seine Weite und seine Tiefe zu messen. Sich nicht zu bewegen und zu verändern im Lauf der Zeit, weder anzusteigen noch zurückzuweichen – das ist die grosse Freude des Ostmeers.» Der Brunnenfrosch war entsetzt, als er dies hörte.
Der Ozean im Fingerhut
Gespräche mit Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, Hadewijch und Etty Hillesum
Das Hörspiel Der Ozean im Fingerhut bringt vier Frauen aus sehr unterschiedlichen Welten ins Gespräch. Es ist ein Versuch, die damals im deutschen Sprachraum noch kaum bekannte Etty Hillesum, deren Werk nicht auf Deutsch übersetzt war, ans Licht zu bringen. Beim Schreiben stützte ich mich auf das niederländische Original sowie die Übersetzungen ins Englische, Französische, Italienische und Spanische, die alle längst vorlagen. Meine Bemühungen, einen deutschen Verlag zu finden, führten leider zu keinem Resultat.
Ettys Stimme entwickelte ich so, wie ich sie in ihren Tagebüchern und Briefen wahrnahm. Ihre Aussagen im Hörspiel sind kaum je wörtliche Zitate, was so auch für die Stimmen von Hildegard, Mechthild und Hadewijch gilt. Diese drei lebten als visionäre Frauen in Klöstern und Beginenhöfen des 12. und 13. Jahrhunderts; Etty lernte als jüdische intellektuelle unter nationalsozialistischer Herrschaft das 20. Jahrhundert kennen.
Die vier Frauen lebten und schrieben in ihrer Zeit. Sie setzten sich eigenständig und kritisch mit ihr auseinander. Sie bahnten sich ihren Weg zum Schreiben von innen heraus und drückten ihre Erfahrung in vielfältigen Formen aus: Visionen, Gedichte, dramatische Szenen, Briefe, Tagebücher. Gesellschaftliche, politische, kulturelle und religiöse Fragen ihrer Zeiten flossen in ihre Texte ein.
Das Hörspiel wurde eingesprochen von Chantal le Moign (Hadewijch), Mona Petri (Etty Hillesum), Nikola Weisse (Hildegard von Bingen) und Hildegard E. Keller (Mechthild von Magdeburg). Mahmoud Turkmani improvisierte auf der Oud, die Aufnahmen fanden an der Hochschule der Künste Bern unter der Leitung von Benoît Piccand statt. Schnitt, Mischung: Alex Dürr, Tonstudio der Universität Zürich.
Das Buch Der Ozean im Fingerhut macht vertraut mit den historischen Lebenswelten von Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, Hadewijch und Etty Hillesum.
Ich stelle die Hauptfiguren des Hörspiels in vier biografischen Kapiteln vor. Dann folgen Daniel Hells Gedanken zum Seelenbegriff und eine Einführung in die mittelalterliche Handschriftenkultur durch Jeffrey Hamburger.
Hildegard von Bingen wurde 1098 geboren und starb am 17. September 1179. Sie ist die berühmteste der vier Frauen und wurde so alt wie keine der anderen (und auch sonst kaum ein Mensch ihrer Zeit). Sie hinterliess ein sehr umfangreiches und vielfältiges Werk auf Lateinisch. Zum Schreiben kam sie nach eigenen Angaben durch göttlichen Zwang, im reifen Alter von fast 42. Sie ist meine Namenspatronin. Als Studentin wollte ich über ihre Visionen arbeiten, doch ihr Werk (alles auf Lateinisch!) konnte kein Thema für eine Germanistin sein. Als ich 1995 zum ersten Mal ins Radio eingeladen wurde, ging es um Hildegard von Bingen; das war 1995 mit Hardy Ruoss. So war es auch beim jüngsten Podcasts über Bücher, bei dem ich Gast war. Im Hörspiel Der Ozean im Fingerhut ist sie die Frau, die die Spielregeln ihrer Zeit kannte - die Spielregeln der Kirchenmänner.
Das ist sehr aussergewöhnlich: Man kennt nicht nur Hildegards Lebensdaten, sondern auch stilisierte Porträts von ihr. Hier ist eines von ihnen, aus der berühmten Bilderhandschrift von Lucca. Man zeigt Hildegard bei der Arbeit, sie empfängt Visionen, die sie notiert. Von oben fliessen Feuerzungen in ihr Gesicht. Auf anderen Darstellungen ist auch der Sekretär zu sehen, der ins Lateinische übersetzt und aufschreibt, was sie ihm diktiert.
Etty Hillesum kam 1914 im niederländischen Middelburg zur Welt und wurde mit 29 Jahren in Auschwitz ermordet. Manche Zuhörerinnen meinten, Etty sei die heimliche Hauptfigur des Hörspiels. Sicher ist sie die jüngste, und ihr Werk war das einzige, das nicht auf Deutsch übersetzt war, als ich das Hörspiel schrieb. Etty Hillesum kam aus therapeutischen Gründen zum Schreiben. Herr Spier, der geliebte Mentor und väterliche Freund, empfahl ihr, ein Tagebuch zu führen. Das tat sie auch, bis fast zum Ende ihres Lebens. In allerletzter Minute konnte Etty ihre Hefte einer Freundin übergeben. Erst viele Jahre nach Ettys Tod wurde das Tagebuch veröffentlicht. Im Hörspiel ist Etty eine Suchende, nach aussen und innen hellwach. Sie sieht sich als Beobachterin der Ereignisse im nationalsozialistisch besetzten Amsterdam. Sie obsiegt im Wettlauf gegen die Zeit, denn ihr Wort lebt.
Mechthild von Magdeburg lebte von 1208 bis 1282, vielleicht auch länger. Sie ist die erste namentlich bekannte Autorin, die auf Deutsch schrieb. Mit zwölf Jahren sei sie «vom heiligen Geist gegrüsst» worden. Sie beschrieb ihre Gotteserfahrung in vielerlei Form, auch in kleinen Szenen, die wie ein Hörspiel oder ein Drama wirken. Mechthild begann als Begine zu schreiben, nachdem ihr Beichtvater sie dazu ermuntert hatte, und beendete ihr Buch als Zisterzienserin. Die spärlichen autobiografischen Spuren stammen aus ihrem Buch Das fliessende Licht der Gottheit. Es gibt keine anderen biografischen Belege. Im Hörspiel ist sie eine Gottessucherin, die ihre Weggefährtinnen ganz besonders schätzt. Sie weiss, was es kostet, sich unter schwierigsten Bedingungen ausdrücken.
Hadewijch ist bis heute eine grosse Unbekannte geblieben. Sie lebte in Brabant, vielleicht in Antwerpen, war Begine und schrieb in den Jahren 1220 bis vielleicht 1240. Ihr Werk umfasst Visionen, Gedichte und Lieder sowie Briefe. Das ist schon fast alles, was man von ihr weiss. Zeit und Ort ihres Wirkens lassen sich nur auf hundert Jahre, auf ein Herzogtum und auf eine der damals bekannten religiösen Lebensformen eingrenzen. Geheimnisvoll ist auch ihre «Liste der Vollkommenen». Sie enthält Namen von Toten, Lebenden und noch nicht Geborenen, die in der Liebe vollkommen waren, sind und sein werden. Im Hörspiel ist sie die Expertin für Geheimnisse und für eine ganz besondere Widerstandskraft.
Mechthild nennt ihr Buch Das fliessende Licht der Gottheit. Auch die anderen Autorinnen reden nicht bloss über das Fliessen, sondern sie erleben es. Licht, Liebe und Leben sind ein göttlicher Strom. Auch Mechthild sehnt sich nach der Quelle. Wer zu ihr zurück wolle, müsse eine ganz bestimmte Freiheit wieder erlangen: das freie Sein, das man aufgibt, um unter einem bestimmten Namen in ein eigenes Leben zu treten.
Grosse Liebende sind die vier Frauen in Der Ozean im Fingerhut. Sie stehen in der Tradition des Hohelieds; seine mystische Auslegung hat den Weg zu Gott als einen Weg der Liebe geebnet. Hildegard, Mechthild und Hadewijch waren als sogenannt geistliche Frauen mit diesem kosmischen Eros vertraut; zu Jesus Christus fühlten sie sich hingezogen als ihrem Liebhaber, nicht als einem leidenden, gefolterten und ermordeten Mann. Er liebt bedingungslos. Wie ihre letzten Tagebucheinträge und Briefe belegen, bewegte sich Etty ebenfalls in dieser Weite und Tiefe. In Kapitel 5 gehe ich auf den kosmischen Eros ein. Er verbindet die vier Frauen.
Mahmoud Turkmani und Benoît Piccand
Mahmoud Turkmani und Benoît Piccand
Inspiration
Wie kam es zur Trilogie des Zeitlosen?
Die Stunde des Hundes entstand 2007. Das war mein letztes Jahr als Assistenzprofessorin der Uni Zürich. Professoren sitzen oft in langen Sitzungen. Einmal zeichnete ich ein Ohr. Es führte mich zu Suso und seiner Geschichte. Die Neugestaltung seiner Geschichte gab mir Kraft in unruhigen Zeiten.
Aus einer Fakultätssitzung, Uni Zürich, 2007.
Aus einer Fakultätssitzung, Uni Zürich, 2007.
In jenen Jahren habe ich mit Studierenden Hörspiele und Performances gemacht. Ich beschloss, Susos Geschichte als Hörspiel zu schreiben und mit Schauspielern zu inszenieren. Es wurde also nie gedruckt, sondern gleich eingespielt und auf drei CDs veröffentlicht. Sie sind im gleichnamigen Buch in bedruckten Taschen (dieses innovative und schöne Modell übernahmen wir später für die zwei anderen Bände der Trilogie des Zeitlosen).
Das Buch verkaufte sich gut und war bald vergriffen. Als drei Jahre später die Ausstellung Sehnsucht nach dem Absoluten im Museum Rietberg vorbereitet wurde und ich zur Mitarbeit eingeladen war, machte sich der gescheckte Hund wieder bemerkbar. Im Maul trug er keinen Stofflappen mehr, sondern die Idee zur Trilogie des Zeitlosen: die Neuauflage von Die Stunde des Hundes zusammen mit zwei neuen Hörspielen und Büchern. Die Zeit bis zur Ausstellungseröffnung war knapp. Ich wählte Figuren, mit deren Werken ich vertraut war und die auch in der Ausstellung präsentiert wurden (das waren der der insgesamt acht Hauptfiguren).
In der Trilogie des Zeitlosen geht es mir nicht um die Aufbereitung biografischer Fakten, auch nicht um historische Hörspiele im engen Sinn. Fiktion ist ein freier Weg zu den Menschen, über die ich schreibe. Das sage ich als Forscherin. In meinen literarischen Werken geht es mir um einen frischen und fundierten Blick auf die Autorin und das Werk, das sie uns hinterlassen hat. Darin drückte sich ihre Seele aus. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Trilogie des Zeitlosen nicht von meinen Roman Was wir scheinen, in dessen Zentrum Hannah Arendt steht.
Es war klar für mich, dass die vier Frauen aus dem Ozean ihren eigenen Raum bekommen sollten; der Aufruf von Virginia Woolf gilt zeitlos. Männer sind in den Erinnerungen der vier Frauen präsent - Päpste, Beichtväter, Mentoren, Geliebte. Ausschnitte aus allen drei Hörspielen waren in der Rietberg-Ausstellung zu hören.
Die Ausstellung
Museum Rietberg
Als Expertin für die christliche Mystik erarbeitete ich die multimedialen Stationen zu Mechthild von Magdeburg (szenografische Idee zur Gnadendusche: Das fliessende Licht der Gottheit, Text und Audioaufnahme), Meister Eckhart (Ausschnitte aus dem Hörspiel) und Heinrich Seuse (Szenografie zum Hörkino mit Hörspielsequenz). Zudem schrieb ich Beiträge für den Katalog und machte Führungen.
Was ist Mystik?
Sternstunde Religion
Unter den vielen Radio- und Fernsehbeiträgen, die es zur Ausstellung gab, war ein Gespräch über Mystik. In der Sendereihe Sternstunde Religion am Schweizer Fernsehen sprach die Moderatorin Judith Hardegger mit ihren Gästen Alois M. Haas und Hildegard E. Keller.
Der Ozean
Filmische Installation
Hörkino
In Bloomington war das Interesse für die neue Trilogie des Zeitlosen gross. Diane Fruchtman stellte die ganze Trilogie vor, Julia Karin Lawson rezensierte Der Ozean im Fingerhut, beide im Newsletter des Medieval Studies Institute an der Indiana University.
Die Idee, für das Kino der Indiana University einen audiovisuellen Erfahrungsraum zu schaffen, führte zu einer Transformation von Der Ozean im Fingerhut. Ich fokussierte auf 90 Minuten. Über diese Tonspur montierten Russell Sheaffar und ich Bilder, die teils animiert waren und in konstanter Bewegung in- und wieder auseinander schwebten. Die Visuals waren heterogen, von mittelalterlichen Handschriften bis zu Schwarzweissfotos aus dem 20. Jahrhundert, doch diese Kombination schuf eine ganz eigene Atmosphäre. Dieses audiovisuelle Storytelling lud zu einer besonderen ästhetischen Erfahrung. Studierende aus der Germanistik und Religious Studies nahmen teil. Später zeigte ich Der Ozean im Fingerhut auch in Zürich, Saarbrücken, Kassel und anderen deutschen Städten.
Mit Live Sound
Vier Jahre nach der Uraufführung der filmischen Installation Der Ozean im Fingerhut kam es zu einer besonderen Performance, und zwar erneut im Kino der Indiana University. Es war Ende Februar 2016. die Ausstellung The Performative Book, die Rosemarie McGerr und ich kuratiert haben, in der Lilly Library zu sehen. Im Begleitprogramm war Der Ozean im Fingerhut angekündigt, diesmal mit englischen Untertiteln (Julia Karin Lawson) und Live-Soundkulisse (Tony Brewer und ein Team der Jacobs School of Music, Audio Engineering). Ein fantastisches Erlebnis.
Booklet IU Cinema, Spring 2016
Booklet IU Cinema, Spring 2016
Tony machte Live Foley im Orchestergraben. Die von ihm entwickelte Geräuschkulisse wurde mit dem Soundtrack des Films gemischt. Bei der Hauptprobe wurde alles getestet. Toningenieure mikrofonierten und machten die Mischung. Tony arbeitete mit dem Drehbuch.
Bei der Aufführung sorgten die Tontechniker dafür, dass Tonys Foley und der Soundtrack aus dem Film sich ausgewogen verbanden. Wie bei einem Konzert, das einen Stummfilm begleitete oder wie bei Double Exposure, dem Projekt, das Studierende der Komposition, Musikproduktion und Filmproduktion zusammenbrachte.
China
Der Ozean im Fingerhut durfte in die USA reisen, das Kamel aber schaffte es bis nach China und ins Chinesische.
Im Jahr 2014 lud uns die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia zu einer Reise in mehrere chinesische Städte ein. Wir waren eine Gruppe von Literaturwissenschaftlern und Autorinnen. In Zhangzhou fand in Kooperation mit der Zheyang University ein viertägiges Symposium mit Germanisten, Übersetzerinnen aus China und der Schweiz sowie Schweizer Schreibenden statt. Ich war als Autorin und Germanistin dabei und hielt ein Referat am Internationalen Symposion zur Übersetzung, Rezeption und Erforschung der Schweizer Gegenwartsliteratur.
Offizielles Tagungsfoto, Zhangzhuo
Offizielles Tagungsfoto, Zhangzhuo
Anschliessend gingen Peter Weber und ich auf Lesereise nach Beijing. Peter Weber mit seinem Buch Die melodielosen Jahre, stets begleitet von seiner Maultrommel, ich als Autorin von Das Kamel und das Nadelöhr. Wir präsentierten unsere Texte an drei Universitäten, mit teils lebhafter Diskussion.
Lange Nacht der deutschen Literatur. Goethe-Institut Peking
Lange Nacht der deutschen Literatur. Goethe-Institut Peking
Bei der Langen Nacht der deutschen Literatur im Goethe Institut Peking traten wir dann zu dritt auf: Doris Dörrie, Peter Weber und ich. Wir lasen das Original, für das Publikum war die chinesische Übersetzung an die Wand projiziert. So wurde ein Ausschnitt des Gesprächs mit Meister Eckhart ins Chinesische übersetzt. Mein Hörspiel-Zhuangzi brachte das Publikum zum Lachen. Er ist kein Unbekannter im modernen China.



