Zürich
HÄUSER UND IHRE GESCHICHTEN
Von Hildegard E. Keller
Gemeinsam erschaffen
Im Herbstsemester ist in meiner Lehrveranstaltung am Deutschen Seminar der Universität Zürich ein neues Storybündel entstand. Unser Thema: Zürcher Häuser, ihre Geschichte und wie sie davon künden. Neun Autorinnen und Autoren haben teilgenommen. eine eigene Multimedia-Story erschaffen und zudem einen kleinen Beitrag zu einer Gruppen-Story verfasst. Hier präsentieren wir die neuen Geschichten.
Es soll Dozierende geben, die nicht wahrnehmen, ob ein Studierender da ist oder nicht, und manche sagen dies ihren Studierenden auch. Zu diesem Typus gehöre ich nicht, weil sich wirksame Lehre nur zwischen Personen ereignen kann. Vierzig Jahre Erfahrung nähren meine Überzeugung. Kreatives Tun ruft die ganze Persönlichkeit, alle Kräfte wollen ins Spiel kommen.
Mein Seminar zu Multimedia-Storytelling ist ein kreativer Raum. Hier kann man individuell und im Team Erfahrungen machen, die für die persönliche und berufliche Entwicklung relevant sind. Wir bringen uns als denkende, fühlende und handelnde Menschen ein, experimentieren mit der eigenen Autorschaft und suchen die Nähe zum Publikum. Stimmen aus vergangenen Seminaren:
Ih habe gelernt, mich bei einer Geschichte gnadenlos zu fragen: Was will ich eigentlich sagen? Erst wenn ich diese Frage in wenigen, einfachen Sätzen beantworten kann, kann ich mit dem Schreiben beginnen.
Zum ersten Mal in meinem Studium durfte ich wirklich kreativ arbeiten, was ich sehr zu schätzen weiss. Natürlich war es viel Arbeit, aber für mich hat es sich sehr gelohnt. Ich habe viel über die Zürcher Stadtgeschichte, Video und Audio gelernt; viele spannende Leute kennengelernt.
Ich habe gelernt, was es heisst, für eine Geschichte aktiv rauszugehen: Wen interviewe ich? Wo und wie gestalte ich das Interview? Was fotografiere ich? Das multimediale Seminar hat mir erlaubt, mich technisch weiterbilden zu können.
Es war überraschend
Auch diesmal war es so: Vor dem Beginn des Semesters frage ich mich stets, wer die Studierenden sind, die das Modul gebucht haben. Was für Persönlichkeiten sie sind. Welche Themen sie interessieren könnten. Welches Zürcher Haus sie aussuchen würden: Ein Altstadthaus aus dem Mittelalter? Ein Bürogebäude? Vielleicht ein Gotteshaus oder ein institutionellesGGebäude? Welche Spur führt die Autorinnen und Autoren zu dem Haus, über das sie schreiben? Ich bin neugierig.
Jetzt ist das Semester um, das neue Bündel geschnürt und online.
Ich habe erlebt, wie sie sich in den kreativen Raum locken liessen und wild drauflos experimentierten.
Jetzt erzählen sie. Auch was sie zu dem oder jenem Haus geführt hat.
Wie es ihnen seine Geschichte und die der Menschen, die in ihm gelebt haben, verraten hat. Und manchmal auch, ob das Erschaffen der Story Spuren in ihnen hinterlassen haben.
Es war ein wunderbar inspiriertes Semester, und so sind auch die Storys. Lest selbst.
Zürich, im Dezember 2024

