Lydias Fest

Das Literarische Dîner am 21. Juni: Die Hauptfiguren

Lydia lädt Sie zu einem Festschmaus ein, den Sie nicht vergessen werden. Für Schnellentschlossene gibt es noch letzte Plätze.

Während Sie ein Neun-Gänge-Menü geniessen, begegnet Lydia Karl Stauffer – der Maler ist aus Bern angereist und will unbedingt Lydias Ehrengast Gottfried Keller porträtieren.

Es wird Lydia nicht an hohen Gästen fehlen. Lydia schätzt gute Gesellschaft, aber sie liebt auch Musik und spielt selbst Klavier. Für das Fest hat sie drei Keller-Gedichte neu vertonen lassen. Die Komponistin und Sängerin Sandra Suter hat für die Uraufführung ein Ensemble aus tüchtigen Musikern zusammengestellt (Beat Blum, Ambrosius Huber, Fabio Maurer, Thierry Kuster). Die Formation ehrt die Gastgeberin und heisst «Lydias Geheimnis».

Sie möchten die Gastgeberin und ihre Gäste kennenlernen? Hier sind sie.

Der Dichter

Name: Gottfried Keller

Muttersprache: schleppendes Zürcherdeutsch

Zivilstand: ewig unglücklicher Single

Lebensmotto: ohne Schatten kein Licht

Vorlieben: Sprachkunst und Wein

Hasst: sich fotografieren zu lassen

Der Künstler

Name: Karl Stauffer

Bekannt als: Stern am Porträtkunsthimmel

Muttersprache: urchiges Berndeutsch

Talent: Seelen auf Papier oder Leinwand einfangen

Steht nicht auf: schöne Möbel, da «Grümpel»

Kurioses: verkleidet sich gerne als Mädchen und sieht kriminell aus

Die Gastgeberin

Name: Lydia Welti

Bekannt als: tragische Geliebte Stauffers

Gesellschaftlicher Umgang: wie Goldschaum

Hohe finanzielle Ausgaben für: Kultur und Schmuck

Selbstbild: realistisch schwermütig

Glaubt nicht an: reine Freundschaft zwischen Mann und Frau

Wie kann Lydia zwei so unterschiedliche Personen zusammenbringen? Die Antwort ist simpel: durch Kunst. Karl Stauffers Gottfried-Keller-Porträt ist ein Must für alle Besucher des Kunsthauses Zürich. Es ist das Bild neben dem Porträt der weissen Lydia, das Stauffer von Lydia gemalt hat.

Bildquelle: Wikipedia

Bildquelle: Wikipedia

Die beiden Bilder sind in Lydias Villa Belvoir entstanden – genauer: im Gewächshaus. Wer gab Stauffer den Auftrag (denn er malte in Berlin, aber auch in Zürich und Bern meist im Auftragsverhältnis)? Im Falle von Lydias Porträt ist der Fall klar. Sie gab ihm den Auftrag. Stauffer hatte schon Lydias Schwiegereltern, den Bundesratspräsidenten Welti und seine Frau porträtiert – zur grossen Zufriedenheit aller.

Wie aber war das im Fall von Gottfried Keller? Gab er den Auftrag selbst? Wollte Keller wirklich porträtiert werden oder musste Stauffer ihn dazu überreden? Welche Rolle hat Lydia gespielt (ich verrate nur soviel: Sie war die Drahtzieherin)?


Na, bereits neugierig auf den Festschmaus? Lydia hat exklusiv für uns Fragen beantwortet.

Frau Lydia, was ist der Anlass für dieses Fest?

Herr Keller wird 200! Ich verehre den Dichter, wie alle wirklichen Künstler. Er war mein väterlicher Freund, also auch der Freund meines Vaters selig. Und es gibt nichts besseres als die Gastgeberin eines Festes zu sein, sich aber nicht um die Leitung des Personals kümmern zu müssen. Die Maulhelden und ihr Team vom Belvoirpark werden den Abend erstrahlen lassen. Ich kann mich nur an eleganten Festen vergnügen.

Sie haben an nichts gespart: ein exklusives Menü, musikalische Uraufführung und Schauspiel ...?

Sparen ist eine Tugend, die von der schweizerischen Gattin auch der höheren Stände erwartet wird, jedenfalls zu meiner Zeit. Damals war sie nichts anderes als eine Haushälterin, die den Zweck ihres Daseins erfüllt, wenn sie wenig Geld braucht. Da habe ich mir jetzt etwas Anderes einfallen lassen (lacht).

Übrigens überlasse ich die Musik ganz Sandra Suter; ich spiele zwar Klavier, mir ist es aber nie gelungen, musikalisch eine gute Figur zu machen. Für die Leitung meines Fests ist Hildegard Keller zuständig, ich habe sie engagiert, weil sie erfahren ist und ein Doktortitel kann nie schaden.

Was werden Sie tragen?

Ich habe zwei Abendkleider gewählt, natürlich im Stil meiner Zeit, aber ich verrate noch nicht mehr.

Verraten Sie uns einen Leckerbissen?

Früher lud ich Gottfried Keller ja meist nur zum frugalen Abendbrode ein, aber jetzt habe ich von Christof Burkard einen exquisiten Neungänger komponieren lassen, inspiriert von Gottfried Kellers Werk und Burkards Küchen-Wissen über meine Zeit, das 19. Jahrhundert. Burkard und Frau Hildegard sind verheiratet, soviel ich sehe, gehen sie in der Küche eine Gefühls- und Ideengemeinschaft ein, wie ich sie mit Stauffer in der Kunst erlebte... aber leider nicht mit Emil.

Fünf süsse Leckerbissen erinnern an den Landvogt von Greifensee und wie er sich mit seinen fünf Geliebten, allesamt unglückliche Liebschaften, versöhnt, diese Dichtung ist dem Herrn Keller wirklich gelungen... Ehe und Liebe sind ein Fest wert.

Lydia möchte zum Schluss noch klarstellen:

«Ich bestehe darauf, dass mein Fest, das ich zu Gottfried Kellers 200. Geburtstag gebe, LYDIAS FEST heisst. Man hat mir schon einmal ausgeredet, dass mein Name auf meinem Werk steht, das soll mir kein zweites Mal passieren.»

Lydia vermachte ihr Vermögen der Eidgenossenschaft. Die 1891 errichtete Stiftung hätte, wäre es nach ihrem Willen gegangen, Welti-Escher-Stiftung geheissen. Lydias Kunststiftung wurde dann zur «Gottfried Keller-Stiftung», und so heisst sie bis heute.

Lydia ist stolz, dass ein hoher Repräsentant der Eidgenossenschaft am 21. Juni 2019 mit ihr feiern wird. Es ist der Bundeskanzler, der Erste Staatsschreiber der Schweiz. Walter Thurnherr teilt Lydias Begeisterung für Gottfried Keller und die Literatur.

Elena Wetli ist Produktionsassistentin bei LYDIAS FEST.


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